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Sterbebegleitung und Palliative Care

Die Begleitung eines Menschen in seiner letzten Lebensphase ist eine tiefgreifende Erfahrung. Hier finden Sie Informationen zu Palliative Care, Antworten auf häufige Fragen zum Sterbeprozess und Unterstützung für diese besondere Zeit.

Was ist Palliative Care?

Palliative Care (lateinisch palliare = umhüllen, lindern) ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und deren Angehörigen. Im Zentrum steht nicht mehr die Heilung, sondern die bestmögliche Lebensqualität in der verbleibenden Zeit.

Zentrale Ziele von Palliative Care:

Palliative Care ist mehr als Sterbebegleitung

Palliative Care beginnt nicht erst in den letzten Lebenstagen, sondern kann bereits früh bei schweren Erkrankungen einsetzen, und zwar parallel zur kurativen (heilenden) Behandlung. Der Fokus verschiebt sich graduell von Heilung zu Linderung und Lebensqualität.

Palliative Care in der Schweiz

In der Schweiz gibt es verschiedene Angebote für Palliative Care:

Informationen und Beratung erhalten Sie bei palliative ch, der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung.

Die letzte Lebensphase verstehen

Anzeichen des nahenden Todes

Zu wissen, was in der letzten Lebensphase geschieht, kann Ängste nehmen. Nicht alle Anzeichen treten bei allen Menschen auf, und der Zeitrahmen kann sehr unterschiedlich sein.

Häufige Veränderungen in den letzten Wochen und Tagen:

Die letzten Stunden und Minuten

In den letzten Stunden können weitere Veränderungen auftreten:

Hören bleibt oft bis zuletzt

Das Gehör ist häufig einer der letzten Sinne, der funktioniert. Sprechen Sie weiter mit Ihrem Angehörigen, auch wenn er nicht mehr zu reagieren scheint. Berührungen, etwa Hände halten oder über den Kopf streichen, können ebenfalls noch wahrgenommen werden und Trost spenden.

Wie Sie begleiten können

Da sein: das Wichtigste

Die wichtigste Form der Begleitung ist Ihre Anwesenheit. Sie müssen nichts Besonderes tun oder sagen. Einfach da zu sein, gibt dem sterbenden Menschen Halt und zeigt: Du bist nicht allein.

Formen der Präsenz:

Praktische Pflege

Auch kleine Pflegehandlungen können Trost spenden:

Das Pflegepersonal unterstützt Sie dabei und zeigt Ihnen, wie Sie helfen können. Scheuen Sie sich nicht zu fragen.

Umgang mit Schmerzen und Symptomen

Moderne Palliativmedizin kann Schmerzen und andere Symptome sehr gut lindern. Wichtig ist, dass Sie dem Personal Beobachtungen mitteilen:

Niemand muss heute noch unter starken Schmerzen sterben. Sprechen Sie offen mit Ärzten und Pflegenden, wenn Sie den Eindruck haben, Ihr Angehöriger leidet.

Sorge vor Überdosierung

Manche Angehörige befürchten, dass Schmerzmedikamente das Leben verkürzen. Studien zeigen: Richtig dosiert verlängern Schmerzmittel eher das Leben, weil sie den Körper entlasten. Das Ziel ist Linderung, nicht Beschleunigung des Todes.

Schwierige Entscheidungen

Ernährung und Flüssigkeit am Lebensende

Eine der schwierigsten Fragen für Angehörige: Soll man weiter versuchen, den Sterbenden zu ernähren und zu trinken zu geben?

Was Sie wissen sollten:

Besprechen Sie diese Frage mit dem Palliativteam. Sie können gemeinsam entscheiden, was für Ihren Angehörigen das Beste ist.

Künstliche Lebensverlängerung

Wenn eine Patientenverfügung existiert, gibt diese Orientierung. Wenn nicht, müssen Sie gemeinsam mit Ärzten entscheiden:

Diese Entscheidungen sind nicht leicht. Fragen Sie sich: Was hätte die Person selbst gewollt? Was dient ihrer Würde und Lebensqualität?

Das Palliativteam berät Sie dabei. Es geht nicht um Aufgeben, sondern um die Frage: Was ist jetzt noch sinnvoll und im Sinne des Sterbenden?

Spirituelle und emotionale Bedürfnisse

Raum für Spiritualität

Für viele Menschen werden spirituelle Fragen am Lebensende wichtig, und zwar unabhängig davon, ob sie religiös sind oder nicht.

Mögliche Bedürfnisse:

Viele Heime und Spitäler haben Seelsorger verschiedener Konfessionen. Auch wenn Ihr Angehöriger nicht religiös war, können Seelsorger hilfreich sein, denn sie sind oft auch einfach erfahrene Gesprächspartner für existenzielle Fragen.

Unerledigte Dinge

Manchmal gibt es noch Dinge, die geklärt werden möchten:

Wenn es noch offene Themen gibt und die Person noch kommunizieren kann, sprechen Sie darüber. Es ist nie zu spät für ein klärendes Wort.

Praktisches für den Todesfall

Wenn der Tod eintritt

Im Pflegeheim übernimmt das Personal die ersten Schritte:

  1. Ein Arzt wird gerufen und stellt den Tod fest
  2. Der Verstorbene wird gewaschen und angezogen (Sie können dabei sein, wenn Sie möchten)
  3. Sie haben Zeit, Abschied zu nehmen
  4. Das Bestattungsunternehmen wird informiert und holt den Verstorbenen ab

Sie müssen in diesem Moment nichts organisieren. Nehmen Sie sich Zeit für den Abschied.

In den ersten Tagen danach

In den Tagen nach dem Tod stehen einige administrative Schritte an. Das Heim oder das Bestattungsunternehmen unterstützt Sie dabei.

Zu erledigen:

Sie müssen nicht alles sofort erledigen. Manche Dinge haben Zeit. Lassen Sie sich von Vertrauenspersonen helfen.

Unterstützung für Angehörige

Während der Sterbephase

Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist belastend. Achten Sie auch auf sich selbst:

Sie dürfen auch mal weg sein

Viele Angehörige quälen sich mit der Frage: «Was, wenn er stirbt, während ich nicht da bin?» Manche Menschen warten sogar mit dem Sterben, bis Angehörige kurz weg sind, vielleicht, um es ihnen zu erleichtern. Sie müssen nicht ständig anwesend sein, um ein guter Angehöriger zu sein.

Nach dem Tod: Trauer zulassen

Trauer ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf Verlust. Jeder trauert anders und braucht unterschiedlich lange.

Trauerreaktionen können sein:

Geben Sie sich Zeit. Trauer verläuft nicht linear, sondern in Wellen. Es ist normal, dass es mal besser und mal schlechter geht.

Wenn die Trauer zu gross wird

Manchmal wird Trauer überwältigend. Anzeichen für komplizierte Trauer können sein:

Holen Sie sich in diesem Fall professionelle Hilfe:

Hilfreiche Adressen:

Häufige Fragen

Spürt ein sterbender Mensch noch Schmerzen?

Dank moderner Palliativmedizin können Schmerzen sehr gut kontrolliert werden. Wichtig ist, dass Schmerzen erkannt und behandelt werden. Sprechen Sie das Pflegeteam an, wenn Sie Anzeichen von Schmerzen bemerken.

Soll ich Kinder zum Sterbebett mitnehmen?

Das hängt vom Alter der Kinder und ihrer Beziehung zum Sterbenden ab. Bereiten Sie Kinder gut vor: Was werden sie sehen? Wie sieht Omi/Opi aus? Dass sie nicht mehr antworten wird. Zwingen Sie Kinder nicht, aber ermöglichen Sie Abschied, wenn sie es möchten. Kinder gehen oft unbefangener mit dem Tod um als Erwachsene.

Wie lange dauert die Sterbephase?

Das ist sehr unterschiedlich. Die «Sterbephase» im engeren Sinn (die letzten Tage) dauert meist wenige Tage bis maximal zwei Wochen. Der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen, auch nicht von erfahrenen Ärzten.

Muss ich dabei sein, wenn mein Angehöriger stirbt?

Nein, es gibt kein «Muss». Viele wünschen sich, dabei zu sein. Andere können oder möchten es nicht. Beides ist in Ordnung. Wichtig ist, dass Sie sich in der Zeit davor verabschiedet haben. Der genaue Moment des Todes ist weniger entscheidend als die gesamte Begleitung.

Was passiert mit dem Körper nach dem Tod?

Der Körper wird gewaschen, angekleidet und aufgebahrt (je nach Wunsch im Heim oder im Bestattungsinstitut). Sie können oft noch einige Stunden oder Tage Abschied nehmen. Danach erfolgt die Kremation oder Erdbestattung gemäss den Wünschen des Verstorbenen oder der Familie.

Fazit: Begleitung als Geschenk

Einen Menschen in seiner letzten Lebensphase zu begleiten, ist eine der anspruchsvollsten, aber auch tiefsten Erfahrungen. Sie werden vieles lernen: über das Leben, über den Tod, über sich selbst.

Es ist normal, Angst zu haben, unsicher zu sein, nicht zu wissen, was richtig ist. Es ist normal, traurig und gleichzeitig erleichtert zu sein. Es ist normal, an Grenzen zu kommen.

Wichtig ist: Sie müssen es nicht perfekt machen. Da zu sein, Ihre Zuneigung zu zeigen, den Menschen in seiner letzten Zeit nicht allein zu lassen, das ist, was zählt.

Und wenn der Tod eingetreten ist: Geben Sie sich Zeit zu trauern, zu erinnern, zu verarbeiten. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sie brauchen. Ihre Trauer ist der Preis für die Liebe und zugleich ein Zeugnis dafür, dass dieser Mensch in Ihrem Leben wichtig war.