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Spitex: Leistungen und Kosten

Die Spitex ermöglicht Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden. Viele Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause leben, auch wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind. Die Spitex (Spitalexterne Hilfe und Pflege) bietet dafür ein breites Spektrum an Leistungen: von der Grundpflege über medizinische Behandlungen bis zu hauswirtschaftlicher Unterstützung.

Doch welche Leistungen übernimmt die Spitex genau? Was kostet die ambulante Pflege zu Hause? Und wer bezahlt was? Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über Spitex-Leistungen, Kosten und die Anmeldung.

Was ist die Spitex?

Spitex steht für «Spitalexterne Hilfe und Pflege» und bezeichnet Organisationen, die pflegerische, betreuerische und hauswirtschaftliche Dienstleistungen zu Hause anbieten. Das Ziel: Menschen jeden Alters sollen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben können.

In der Schweiz gibt es zwei Haupttypen von Spitex-Organisationen:

  • Öffentliche (gemeinnützige) Spitex: Non-Profit-Organisationen, oft kommunal oder kantonal verankert, die zum Grundversorgungsauftrag gehören.
  • Private Spitex: Gewinnorientierte Unternehmen, die ähnliche Leistungen anbieten, oft mit erweiterten Service- und Betreuungsangeboten.

Beide Arten erbringen Leistungen, die von der Krankenkasse übernommen werden können, sofern sie von einem Arzt verordnet wurden.

Welche Leistungen bietet die Spitex?

Das Leistungsangebot der Spitex lässt sich in drei Hauptbereiche unterteilen:

1. Pflegeleistungen (KLV-pflichtige Leistungen)

Diese werden von der obligatorischen Krankenkasse übernommen, wenn sie ärztlich verordnet sind:

  • Abklärung und Beratung: Pflegebedarfsabklärung, Beratung von Patienten und Angehörigen
  • Untersuchung und Behandlung: Wundversorgung, Medikamentenverabreichung (Injektionen, Infusionen), Blutdruck- und Blutzuckermessungen
  • Grundpflege: Körperpflege (Waschen, Duschen, Baden), An- und Auskleiden, Mund- und Zahnpflege, Lagerung und Mobilisation

Diese Leistungen werden nach KLV (Krankenpflege-Leistungsverordnung) abgerechnet und von der Grundversicherung übernommen, allerdings mit einer Kostenbeteiligung des Patienten (Franchise und Selbstbehalt).

2. Hauswirtschaftliche Leistungen

Die Hauswirtschaft gehört nicht zur Grundversicherung, wird aber oft von Zusatzversicherungen oder Gemeinden bezuschusst:

  • Einkaufen und Mahlzeitenzubereitung
  • Reinigung der Wohnung
  • Wäsche waschen und bügeln
  • Administrative Unterstützung (z.B. Post, Rechnungen)

Die Kosten liegen typischerweise zwischen CHF 50 und CHF 70 pro Stunde, je nach Kanton und Organisation.

3. Betreuungsleistungen

Diese umfassen psychosoziale Unterstützung und Aktivierung:

  • Soziale Begleitung und Gespräche
  • Unterstützung bei Alltagsaktivitäten
  • Aktivierung und Beschäftigung
  • Begleitung zu Terminen

Betreuungsleistungen werden in der Regel nicht von der Grundversicherung übernommen, können aber über Ergänzungsleistungen, Hilflosenentschädigung oder Zusatzversicherungen finanziert werden.

Kostenübernahme

Die Krankenkasse übernimmt nur ärztlich verordnete Pflegeleistungen. Hauswirtschaft und Betreuung müssen meist privat oder über andere Wege finanziert werden.

Was kostet die Spitex?

Die Kosten für Spitex-Leistungen setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

Pflegeleistungen (von Krankenkasse übernommen)

Kostenträger:

  • Krankenkasse (OKP): Zahlt den grössten Teil der Pflegekosten
  • Restfinanzierung Kanton/Gemeinde: Übernimmt den Teil, den die Krankenkasse nicht deckt
  • Patient: Zahlt maximal CHF 15.95 pro Tag (Pflegetaxe), unabhängig vom Pflegeaufwand, plus Franchise und Selbstbehalt der Krankenkasse

Beispielrechnung: Bei 2 Stunden Pflege pro Tag fallen ca. CHF 180-220 Kosten an. Davon zahlt der Patient maximal CHF 15.95 plus etwa 10% Selbstbehalt auf den Krankenkassenanteil (ca. CHF 10-15) = rund CHF 26-31 pro Tag.

Hauswirtschaftliche Leistungen (privat zu zahlen)

  • Stundensatz: CHF 50-70 pro Stunde (je nach Region und Anbieter)
  • Finanzierung: Privat, über Zusatzversicherung, kommunale Beiträge oder Ergänzungsleistungen

Betreuungsleistungen

  • Stundensatz: CHF 60-85 pro Stunde
  • Finanzierung: Hilflosenentschädigung, Ergänzungsleistungen, Zusatzversicherungen oder privat

Kostenbeispiel für typischen Fall

Frau Müller, 82 Jahre, benötigt:

  • Tägliche Grundpflege (1 Std.): CHF 26/Tag
  • Hauswirtschaft 2x/Woche (je 2 Std.): CHF 240/Monat
  • Betreuung 3x/Woche (je 2 Std.): CHF 720/Monat

Gesamtkosten: Ca. CHF 1'740/Monat (inkl. Pflegebeitrag von ca. CHF 780)

Wie melde ich mich bei der Spitex an?

Die Anmeldung bei der Spitex ist unkompliziert:

1. Kontaktaufnahme

Sie können direkt bei Ihrer lokalen Spitex-Organisation anrufen oder online ein Kontaktformular ausfüllen. Auch Angehörige, Ärzte oder Spitäler können die Anmeldung veranlassen.

2. Bedarfsabklärung

Eine Pflegefachperson der Spitex kommt zu Ihnen nach Hause und führt ein Erstgespräch. Dabei werden der Pflegebedarf, die gewünschten Leistungen und die Häufigkeit der Einsätze besprochen.

3. Ärztliche Verordnung

Für Pflegeleistungen, die von der Krankenkasse übernommen werden sollen, benötigen Sie eine ärztliche Verordnung. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt stellt diese aus.

4. Kostengutsprache

Die Spitex sendet die ärztliche Verordnung an Ihre Krankenkasse und holt die Kostengutsprache ein. Dies kann einige Tage dauern.

5. Start der Pflege

Sobald die Kostengutsprache vorliegt, beginnen die Spitex-Einsätze gemäss vereinbartem Plan.

Tipp

Bei dringendem Bedarf (z.B. nach Spitalentlassung) kann die Spitex oft schon vor der Kostengutsprache starten. Klären Sie dies im Erstgespräch.

Unterschied zwischen öffentlicher und privater Spitex

Beide Arten erbringen dieselben Pflegeleistungen, unterscheiden sich aber in einigen Punkten:

Öffentliche (gemeinnützige) Spitex:

  • Non-Profit-Organisation
  • Zum Grundversorgungsauftrag gehörend
  • Oft günstigere Tarife bei Hauswirtschaft
  • Teilweise kommunale Zuschüsse

Private Spitex:

  • Gewinnorientiertes Unternehmen
  • Oft flexiblere Einsatzzeiten (auch nachts/Wochenende)
  • Erweiterte Betreuungs- und Serviceangebote
  • Teilweise höhere Preise bei Hauswirtschaft

Bei den KLV-pflichtigen Pflegeleistungen gibt es keine Kostenunterschiede, denn hier gelten für alle dieselben Tarife.

Finanzierungshilfen für Spitex-Leistungen

Wenn die Kosten für Hauswirtschaft und Betreuung Ihr Budget übersteigen, gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten:

Hilflosenentschädigung (HE)

Bei dauernder Hilfsbedürftigkeit zahlt die AHV/IV eine monatliche Pauschale (CHF 252 bis CHF 1'008/Monat, je nach Schweregrad, Stand 2025). Diese kann frei verwendet werden, auch für Spitex-Leistungen.

Ergänzungsleistungen (EL)

Decken die Differenz zwischen anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen. Spitex-Kosten werden als Krankheitskosten anerkannt.

Zusatzversicherungen

Viele Zusatzversicherungen beteiligen sich an Hauswirtschafts- und Betreuungskosten (z.B. CHF 3'000-5'000 pro Jahr).

Kommunale Beihilfen

Einige Gemeinden unterstützen finanziell bei hauswirtschaftlichen Leistungen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Wohngemeinde.

Qualitätssicherung bei der Spitex

Spitex-Organisationen, die mit den Krankenkassen abrechnen wollen, müssen bestimmte Qualitätsstandards erfüllen:

  • Ausbildung: Mindestens 50% diplomiertes Pflegepersonal
  • Zulassung: Kantonale Betriebsbewilligung erforderlich
  • Qualitätsmanagement: Regelmässige interne und externe Kontrollen
  • Transparenz: Schriftliche Leistungsvereinbarungen und Kostentransparenz

Seriöse Spitex-Organisationen sind Mitglied bei Spitex Schweiz, dem Dachverband der gemeinnützigen Spitex-Organisationen, oder beim Verband privater Spitex-Anbieter.

Wann reicht Spitex nicht mehr aus?

Die Spitex ist eine hervorragende Lösung für viele Pflegesituationen. Es gibt jedoch Grenzen:

  • Bei sehr hohem Pflegebedarf rund um die Uhr
  • Wenn die Sicherheit zu Hause nicht mehr gewährleistet ist
  • Bei fortgeschrittener Demenz mit starker Desorientierung
  • Wenn Angehörige völlig überlastet sind

In solchen Fällen können Alternativen wie eine 24-Stunden-Betreuung oder ein Pflegeheim die bessere Lösung sein.